Bewerben aus dem Ausland - Ein Erfahrungsbericht

Ich bin als deutsche Staatsbürgerin in England aufgewachsen und besuchte 12 Jahre lang die Europäische Schule Culham. Nach bestandenen Abschlussprüfungen erhielt ich Anfang Juli mein Zeugnis, das European Baccalaureate (EB). Da blieb nicht viel Zeit für die Online-Bewerbung an der Uni Heidelberg (Bewerbungsfrist für Biowissenschaften war Mitte Juli).

Um die Abschlussnoten, die beim EB auf einer Skala bis 10 angegeben werden, in ein dem deutschen Abi-Benotungssystem gleichgestelltes Format zu bringen, braucht man eine Bescheinigung vom Ministerium für Kultus, Jugend und Sport. Für die Uni Heidelberg muss dies in Baden-Württemberg ausgestellt sein. In dieser Hinsicht hatte ich Glück, denn das EB meiner Schule wurde mit einer Bescheinigung aus genau diesem Bundesland anerkannt. Wenn das nicht der Fall gewesen wäre, hätte ich meine Bewerbung wohl um ein Jahr verschieben mÃüsen, da die Beschaffung einer solchen Bescheinigung sonst sicher zu lange gebraucht hätte.

Meine Zulassung zum Studium erhielt ich bereits Ende Juli, und daher rechtzeitig, um an dem sehr informativen Open Day mit der Fachschaft Anfang August teilzunehmen. Für "Ausländer" mit einem weiten Reiseweg hätte dies vielleicht knapp werden können (ich hatte Glück und war grade zu Besuch bei Freunden in Deutschland). Nach dem Open Day und meinem ersten Besuch der Uni und der Stadt stand für mich absolut fest, dass Heidelberg die richtige Entscheidung für mich sein würde (Uni Manchester und UCL London waren meine anderen Optionen).

Die relative späte Antragsfrist für Biowissenschaften (sehr günstig für mich) hatte auch eine Kehrseite: Die Frist für Bewerbungen um Wohnheimplätze war bereits abgelaufen, sodass Wohnheime generell schon belegt waren. Aus dem Ausland auf Wohnungssuche zu gehen ist nicht einfach, da man nicht eben mal auftauchen und Zimmer bzw. WGs besichtigen kann, und auch die deutschen Mietgepflogenheiten (z.B. Maklerprovision) nicht kennt. Kurz bevor ich im August noch einmal nach HD fuhr (denn zur Immatrikulation muss man auch als "Ausländer" persönlich vorsprechen), versuchte ich dringend, Besichtigungstermine für Wohnungen zu organisieren. Ich hatte jedoch wiederum Glück, da das Studentenwerk (Anm. umbenannt in Studierendenwerk) nach wiederholter Anfrage doch noch einen Wohnheimplatz für mich finden konnte.

Ob In- oder Ausländer bei der Immatrikulation muss man alle benötigten Formulare, Fotos und beglaubigten Urkunden dabei haben. Wenn diese in Sprachen außer Deutsch und Englisch vorliegen, muss man auch die Übersetzung beglaubigen lassen. Für den Nachweis meiner Krankenversicherung reichte die in England ausgestellte European Health Insurance Card (EHIC) nicht. Allerdings kann man sich von einer gesetzlichen Krankenkasse bei Vorlage der gültigen EHIC eine Befreiungsbescheinigung ausstellen lassen, was die AOK Baden-Württemberg dann auch schnell und problemlos erledigte.

Zur Immatrikulation sollte ich auch eine beglaubigte Kopie meiner eigenen Geburtsurkunde und die meiner Geschwister mitbringen, da ich eine Befreiung von den Studiengebühren beantragen wollte. (Beeindruckender Weise ist dies in BW möglich, wenn man mindestens zwei Geschwister hat, von denen keiner in BW von Studiengebühren befreit worden war.) Da meine Schwester in England geboren wurde, bestand die Frage, ob eine Übersetzung sowie eine Beglaubigung der Übersetzung ihrer Geburtsurkunde notwendig werden würden. Glücklicherweise waren die Uni-Sachbearbeiterinnen jedoch bereit, die Urkunde auch auf Englisch zu akzeptieren, solange die Namen meiner Eltern darauf vermerkt waren (in England ist das auf dem "Long Birth Certificate" der Fall).

Eine weitere Herausforderung war das Konto in Deutschland. Um die Verwaltungs- bzw. Wohnheimkosten zu bezahlen, brauchte ich ein deutsches Bankkonto. Zur Eröffnung eines Kontos bei einer deutschen Bank oder Sparkasse muss man jedoch einen Wohnsitz in Deutschland haben und so gab ich kurzerhand die Adresse von einem in Deutschland ansässigen Familienmitglied an. Im Internet fand ich eine gute Übersichten zu Studentenkonten (z.B. http://www.uniturm.de/ratgeber/studenten-girokonto-vergleich) und so musste ich nur noch das von der Bank bei Antragstellung verlangte "Postident" zur Bestätigung meiner Person meistern. Zum Glück reichte mein Pass, denn ohne Adresse in Deutschland hatte ich ja auch noch keinen Personalausweis!

Abschließend möchte ich allen anderen Bewerbern aus dem Ausland Mut machen - mit guter Organisation, ein bisschen Glück, und der Unterstützung von Eltern und Bekannten ist es durchaus machbar, die Bewerbung, Zulassung und Einschreibung zum Studium in Heidelberg erfolgreich und relativ kurzfristig zu absolvieren, auch wenn man sein Abi an einer Schule außerhalb Deutschlands abgelegt hat. Studentensekretariat und Studentenwerk sind dabei hilfreiche Partner, und der Open Day ist eine nützliche Investition.

-Friederike Schlumm