Sezieren im Biostudium

Wenn ihr euch für den Studiengang Biologie entscheidet, müsst ihr folgende Praktika absolvieren, in denen ihr mit Tieren arbeiten müsst:

- Grundkurs Grundlagen der Biowissenschaften (1. Semester, PFLICHT für BSc Biologie und Biowissenschaften) Hier lernt man die anatomischen Grundlagen von Tieren und Pflanzen. Im Tierreich fängt es mit Protozoen (Einzellern) an und geht dann über Süßwasserpolypen (Hydra) schließlich zu den "größeren" Tieren über, bei denen dann das richtige Sezieren beginnt. Was genau drankommt, ist immer vom Bestand der Tiefkühlfächer des zoologischen Institutes abhängig, so grob dürften es wohl sein: Regenwurm, Küchenschabe, irgendein Fisch, Maus

- Grundkurs Biodiversität heimischer Tiere (2. Semester, PFLICHT für BSc Biologie und WAHLfach für BSc Biowissenschaften) Der Kurs besteht aus Bestimmungsübungen. Man bekommt Dauerpräparate oder ausgestopfte Tiere und muss diese dann an Hand eines Bestimmungsschlüssels identifizieren. Das mag bei Säugetieren noch ganz leicht und witzig sein (Eichhörnchen am Stock), bei den Insekten kann es dann aber schon ganz schön kniffelig werden.

- Grundkurs Entwicklungsbiologie (3. Semester, PFLICHT für BSc Biologie und Biowissenschaften) Hier werden an Frosch-, Fisch- und Huhnembryonen verschiedene Stadien der Entwicklung eines höheren Organismus untersucht. Die Tiere müssen beobachtet und gezeichnet werden.

- Grundkurs Experimentelle Physiologie (3. Semester, PFLICHT für BSc Biologie und Biowissenschaften) Die einzelnen Programmpunkte dieses Praktikums unterscheiden sich stark. Bei Versuchen zum Nervensystem werden lediglich (Demonstrations-)versuche an Drosophila-Larven durchgeführt.

Euch sollte aber klar sein, dass auch im Bereich der Molekular- und Zellbiologie viel mit Tieren gearbeitet wird. In der Krebsforschung (am DKFZ bspw.) oder am MPI für medizinische Forschung arbeitet man viel mit Mäusen, Hamstern oder Kaninchen und auch am ZMBH wird mit Versuchstieren gearbeitet. Schließlich müssen die Ergebnisse der in vitro Versuche auch irgendwann auf den ganzen Organismus übertragen und erprobt werden.

Man kann solchen Arbeiten natürlich aus dem Weg gehen, was eure Berufsaussichten aber wohl schmälern wird, denn in vielen Instituten wird mit Tieren gearbeitet (so gibt es auch botanische Institute, in dem Kaninchen gehalten werden zur Antikörpergewinnung).

Wenn ihr euch für Bio immatrikuliert müsst ihr die oben genannten Praktika absolvieren und die Arbeit an den Versuchstieren auch selbst durchführen. Neben Medizinern und Veterinärmedizinern ist es nur Biologen erlaubt, Versuche an Tieren durchzuführen, d.h. euer Abschluss als BSc Biologe/in impliziert eure Befähigung (praktische & ethische Ausbildung), mit Tieren zu arbeiten.

Die "Biologie" ist ja die "Lehre vom Leben" und manche Dozenten lassen euch den Kurs nicht bestehen, wenn man die Arbeiten an den Versuchstieren verweigert, da das eurer späteren Berufsbefähigung zuwiderlaufen könnte.

Natürlich hat man am Anfang etwas Scheu oder sogar Ekel ein Tier aufzuschneiden und seine Anatomie zu studieren, die meisten werden so etwas bisher noch nie gemacht haben. Das geht den meisten so, aber man gewöhnt sich an alles, ihr werdet es sehen. Keins der in den Grundkursen präparierten Tiere müsst ihr selbst töten.

Wenn ihr euch wirklich nicht sicher seid, ob die Arbeit an und mit Versuchstieren für euch machbar ist, solltet ihr eure Wahl nochmals gründlich überdenken.